Aktuell

safe@home kann Leben retten
01 Sep 2014

Es war mitten in der Nacht, als Frau M. im Bad umfiel. Ein Schlaganfall. Den Notfallknopf konnte sie nicht mehr bedienen. Davor hatte sie immer Angst gehabt. Deshalb macht sie mit bei „safe@home“. Das ist ein Warnsystem, das im Notfall automatisch Hilfe ruft.

Sensoren werten Bewegungen aus

Im Zimmer von Frau M. im Seniorenzentrum Herzog Christoph der BruderhausDiakonie in Bad Urach, aber auch in ihrem Bad sind Sensoren installiert. Die registrieren alle Bewegungen im Raum und werten sie aus.

Als sich beim Sturz der Körperschwerpunkt von Frau M. ungewöhnlich schnell änderte, reagierten die Sensoren: Sie lösten über eine sogenannte Carebox einen Alarm aus. Innerhalb kurzer Zeit wurde Frau M. notfallmäßig versorgt – und überlebte. Ohne den intelligenten Bewegungsmelder wäre der Sturz vermutlich nicht so schnell entdeckt worden.

Die Technik fällt kaum auf

Ein kleiner weißer Kasten mit drei Augen, der aussieht wie eine Lautsprecherbox: Horst Heinrich, 88, im Gustav-Werner-Stift in Reutlingen deutet mit der rechten Hand an die Decke. Seit knapp einem Monat hängen acht solcher Boxen in seiner betreuten Zwei-Zimmer-Wohnung, ausgestattet mit jeweils zwei 3D-Sensoren. Wird der Witwer nicht direkt darauf angesprochen, fallen sie ihm gar nicht mehr auf. Dabei hat der gelernte Papiermacher beim Einbau jeden Schritt akribisch verfolgt. Das nächste Kästchen könnte er beinahe selbst einbauen.

Horst Heinrich ist noch rüstig. Seinem Sohn zuliebe ist er aus Eberswalde in der Nähe von Berlin nach Reutlingen gezogen, zunächst in die Ringelbachstraße. Jetzt wohnt er im Gustav-Werner-Stift mitten in der Stadt. Als Verena Pfister, Altenhilfe-Referentin der BruderhausDiakonie, den Rentner fragte, ob er sich vorstellen könne, an dem Forschungsprojekt teilzunehmen, sagte er spontan zu: „Wenn wir tatsächlich mehr Sicherheit haben, dann ist das doch eine feine Sache.“

So sicher wie nötig und so unabhängig wie möglich

Die Boxen haben ihn optisch auf dem Schirm, überwacht fühlt er sich deswegen nicht. Nee, sagt er, mit safe@home fühle er sich so sicher wie nötig und so unabhängig wie möglich. Misstrauisch ist der Mann, der in seiner Freizeit am liebsten angeln ging, überhaupt nicht. Heinrich zeigt Fotos von der Hochzeit der Enkeltochter, er ist ein optimistischer Mensch und Neuem gegenüber aufgeschlossen. Wenn er noch mal jung wäre, würde er auch forschen oder erfinden, erzählt er. Not macht erfinderisch, „und Menschen müssen sich entwickeln“.

Das System verhindert, dass Menschen hilflos daliegen

Auch wenn die weiße Box für Gesprächsstoff unter den Senioren im Gustav-Werner-Stift sorgt und sich mancher skeptisch äußert – er ist gern „Testläufer“. „Wenn alles klappen tut mit der Technik, dann ist das nicht nur für mich, sondern für die Zukunft.“ Recht hat er. Das neue Notfallsicherheitssystem, das dann reagiert, wenn der Notrufknopf nicht mehr gedrückt werden kann, soll verhindern, dass alte Menschen stunden- oder sogar tagelang hilflos und unversorgt in ihrer Wohnung liegen.

Das System hat Zukunft

Die Kabel sind routinemäßig verlegt, zukünftig sollen noch mehr Appartements im Gustav-Werner-Stift mit safe@home ausgestattet werden – in den kommenden eineinhalb Testjahren kostenfrei. Dann erst fallen geringe Miet- und Wartungskosten an. Wird die weiße Box, die kleinste Bewegungen rund um die Uhr registriert, nachträglich in einer Privatwohnung installiert, sind die Kosten mit bis zu 5000 Euro bislang relativ hoch.

„Wir brauchen ein bezahlbares Geschäftsmodell“, sagt Verena Pfister, die das Forschungsprojekt seitens der BruderhausDiakonie begleitet. Sie hat die Hoffnung, dass das System in den Pflegehilfsmittelkatalog aufgenommen oder serienmäßig in Wohnungen eingebaut wird. „Wir stehen hinter safe@home“, sagt sie, ob im Betreuten Wohnen oder privat zu Hause. „Eine zukunftsträchtige Sturzprophylaxe im Alltag“, nennt es der Leiter des Seniorenzentrums Herzog Christoph in Bad Urach, Thomas Stäbler.

Die Privatsphäre bleibt gewahrt

Das elektronische Notruf- und Assistenzsystem arbeitet mit optischen Hochleistungssensoren, die Position und Lage einer Person sowie ihre Bewegungen innerhalb eines Raums ermitteln. Mit diesen Werten erkennt die Technologie binnen Sekunden Stürze und identifiziert Reglosigkeit. „Die Privatsphäre wird gewahrt, da die Daten direkt im Sensor ausgewertet und somit weder gespeichert noch übertragen werden müssen“, sagt Ingenieur Marius Pflüger vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut, das safe@home zusammen mit der BruderhausDiakonie und zwei Unternehmen entwickelt hat. Finanziert aus Mitteln des Sozialministeriums, läuft es in seiner zweiten Erprobungsphase. Danach soll es auf den Markt kommen.

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Ethik Workshop auf Basis des MEESTAR-Modells für das ambiente Monitoring-System
27 Mai 2014

Der Themenbereich Ethik wurde im Projekt „Integration von AAL-Technik zur Notfallerkennung in die häusliche Umgebung“ bearbeitet. Dabei wurde das System „Hausnotruf 2.0“, das Inaktivität anhand von Bewegungsmeldern und Türkontakten erkennt, näher betrachtet. Im Rahmen des ethischen Evaluations-Workshops wurde das MEESTAR-Modell am Beispiel des Projekts, das vom Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg gefördert wird, praktisch erprobt. Der eintägige ethische Evaluationsworkshop wurde unter der Leitung von Herrn Martin Enz im Seniorenzentrum Gebrüder-Hehl-Stift der BruderhausDiakonie in Loßburg durchgeführt. Als Teilnehmer waren Dienststellenleiterin und Mitarbeiter der BruderhausDiakonie, Vertreter des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg, Vorsitzender des Fördervereins, Senioren und Seniorinnen sowie Mitglieder des Projektkonsortiums (FZI, BD) vertreten. In interdisziplinären Gruppen aus den Bereichen Ethik, Pflege, Technik und Leitung wurden insgesamt vier Arbeitsmodule bearbeitet. 

Schon vor Beginn der Gruppeneinteilung hat sich gezeigt, dass die Selbstbestimmung der Bewohner und Bewohnerinnen gegeben sein muss. Daher ist eine Beratung der technischen Systeme und vor allem eine Aufklärung über den Vorgang unumgänglich, die für Transparenz und Vertrauen sorgt. Ein weiterer Aspekt, der angesprochen wurde, ist, dass eine Aufklärung der Systeme und ihre Funktionen notwendig ist.
Im Verlauf des Workshops wurde ebenfalls deutlich, dass neben dem Datenschutz die Bedienung, Funktion und Verlässlichkeit eine wichtige Rolle spielen.

Generell muss beim Einsatz von technischen Assistenzsystemen stets der Blick auf das Wesentliche, die Unterstützung der Nutzer, gerichtet sein. Es muss sichergestellt werden, dass die Sicht auf gute Lösungen nicht durch den Einsatz von Technik verhindert wird.

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Erste Pilotinstallationen bei der BruderhausDiakonie in Loßburg
26 Mai 2014

Das FZI hat die ersten vier Pilotinstallation im Gebrüder-Hehl-Stift in Loßburg durchgeführt. Das von Forschern des FZI entwickelte System bringt die Bewohner näher an die Mitarbeiter des sozialen Dienstes der BruderhausDiakonie. Das System bestehend aus Kontakt- und Bewegungssensoren ist auf das Tablet des Sozialen Dienstes aufgeschaltet und informiert den Sozialen Dienst darüber, dass alles bei den Bewohnern ok ist. Sollte etwas nicht in Ordnung sein, z.B. das ein Bewohner nicht aufgestanden ist, dann wird sofort eine Benachrichtigung verschickt. 

In Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des sozialen Dienstes und den Bewohnern soll das System evaluiert und kontinuierlich verbessert werden. Die Installation wurde schon positiv bewertet, da nur zwei Sensoren und eine Basisstation in die Wohnung eingebaut wurden. Die Bewohner fühlen sich dadurch in keinster Weise in ihrem Alltag beeinträchtigt. 

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Projektstart Notfallerkennung
15 Aug 2013

Die BruderhausDiakonie in Reutlingen begrüßte alle beteiligten Partnerinstitute und -unternehmen im Rahmen des Kick-off-Meeting zum Projekt "Notfallerkennung". Ziel des Projekts ist die Einführung entwickelter AAL-Technik aus den Bereichen Sicherheit und Notfallerkennung in reale Einsatzumgebungen unter Einbindung von Vertretern der gesamten Wertschöpfungskette.

Im Rahmen des Projekts wird in der ersten Phase zunächst die bestehende Technik zusammen mit der Zielgruppe umfassend analysiert, an die Anforderungen der Zielgruppe angepasst und für den Einsatz in der realen Umgebung vorbereitet. Im Anschluss werden ca. 20-30 Wohneinheiten von alleinstehenden älteren Personen mit der AAL Sicherheitstechnik ausgerüstet und während des Projekts betreut.

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Land fördert Erprobung von technischen Assistenzsystemen für ältere Menschen
01 Aug 2013

Sozialministerium, Wissenschaftsministerium und Finanz- und Wirtschaftsministerium stellen rund 650.000 Euro für ein Projekt zur Verfügung, mit dem der Einsatz von technischen Assistenzsystemen in häuslichen Notfällen erprobt wird.

Untersucht werden soll, wie intelligente Technik erfolgreich dafür eingesetzt werden kann, Unfälle und medizinische oder andere Notsituationen von älteren und pflegebedürftigen Menschen automatisch zu erkennen und Hilfsmaßnahmen einzuleiten. Ziel des Projekts ist es, das Leben von alleinlebenden Seniorinnen und Senioren künftig sicherer zu machen.

„Die meisten alten Menschen wollen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden leben. Einer der Gründe, weshalb sie sich irgendwann für den Umzug in ein Pflegeheim entscheiden, ist ihre Angst, dass ihnen bei einem Unfall oder einer Notsituation niemand hilft“, sagte Sozialministerin Katrin Altpeter. „Technische Assistenzsysteme zur Notfallerkennung können in diesem Fällen eine Lösung sein. Sie können vielen Menschen ermöglichen, länger als bisher zu Hause zu bleiben – auch ohne die ständige Anwesenheit von Pflegepersonal.“

mehr Information auf der Webseite des Landes Baden-Würrtemberg

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