Motivation

Deutschland befindet sich in einem Prozess der zunehmenden demografischen Alterung der Bevölkerung. So liegt beispielsweise der Altenquotient in Baden-Württemberg momentan bei 32 und wird sich laut Prognose des statistischen Landesamts bis 2030 auf 47 steigern. Dadurch entstehen immer drängendere, gesellschaftliche Probleme, wie beispielsweise ein starker Anstieg der Zahl der pflegebedürftigen Menschen und deren Betreuung. Ältere Menschen wollen hierbei solange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung selbstständig wohnen bleiben, da die emotionale Bindung an das wohnliche Umfeld im Alter weit höher ist als in jungen Jahren. Dies ist selbst dann der Fall, wenn gesundheitliche Risiken oder Beeinträchtigungen vorliegen. Ältere Menschen verbringen fast 90% Ihrer Zeit in der Wohnumgebung, wodurch diese zum zentralen Lebensmittelpunkt wird. Sicherheit und sich sicher fühlen ist älteren Menschen dabei besonders wichtig.

Gleichzeitig steigt das Risiko von alleinlebenden, älteren Menschen in alltägliche Gefahrensituationen zu geraten. Gelingt es einer verunglückten Person, beispielsweise nach einem Sturz, nicht mehr, selbstständig aufzustehen oder auf sich aufmerksam zu machen, kann dies schlimme Folgen haben. Leidet die Person zudem noch an einschränkenden Krankheiten wie Demenz, so ist ein aktiver Hilferuf in einer Notsituation in vielen Fällen unmöglich. Diese Angst und Unsicherheit hinsichtlich Notfälle zwingt viele ältere, allein lebende Menschen dazu, sich frühzeitig in Betreuung zu begeben, da sie sich diesem Risiko nicht aussetzen möchten. AAL-Technik bietet hier eine große Chance, für mehr Sicherheit in der Wohnumgebung zu sorgen und dadurch Ängste vor Stürzen und Unfällen zu verringern, so dass die Selbstständigkeit älterer Menschen in der vertrauten Umgebung gefördert und erhalten werden kann.

In Deutschland gibt es neben wenigen markttauglichen Einzellösungen zahlreiche Forschungsarbeiten und AAL-Technik im Prototypenstadium, welche im Prinzip über ein großes Marktpotenzial verfügen, bislang aber nicht zum Einsatz kommen. Insbesondere im relevanten Bereich „Automatischer Unfallerkennung und Notruf“ sind vielversprechende technische Lösungen vorhanden. Jedoch existiert noch kein etablierter Markt für AAL-Produkte und -Dienstleistungen, sondern lediglich Prototypen und Einzelanwendungen. Weiterhin fehlen Geschäftsmodelle, vor allem durch mangelnde Kooperation der beteiligten Technologieentwickler, Systemintegratoren und Dienstleister, der Wohnungswirtschaft sowie der Anwender und deren Vertretergruppen. Auch ist die Forschung in diesem Bereich meist technologiegetrieben, ohne ausreichend die Anforderungen und Bedürfnisse der Zielgruppen zu berücksichtigen. Hemmnisse und Barrieren für den flächendeckenden Einsatz von AAL-Produkten sind deshalb zur Zeit weniger in der Technik zu sehen, als vielmehr in der Akzeptanz durch die Endanwender sowie daran geknüpfte Fragen des Datenschutzes, mangelnder Interoperabilität und Standardisierung der AAL-Produkte sowie Kosten und ungeklärter Finanzierungsfragen im Rahmen des Gesundheitswesens. Trotz dieser Skepsis bei den potentiellen Nutzern ist in Umfragen eine Mehrheit der Senioren für AAL-Lösungen aufgeschlossen. Hierbei werden vorwiegend einfache technische Lösungen favorisiert, welche die Wohnumgebung sicherer machen und in Notsituation automatisch helfen können. Somit liegt hier eine große Chance für eine breite Einführung von AAL-Produkten.